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Biographie
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Kindheit, erster Unterricht und Studium
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in Aberdeen und die Encyclopaedia Britannica
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wegen Ketzerei
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und Cambridge
vi Die
letzten Jahre
vii William
Robertson Smith: ein Nachwort
viii Literatur
und Abkürzungen
Hinweise
und Kontakt
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Gästebuch

© Astrid Hess &
Andreas Hess 2006
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Kindheit, erster Unterricht und Studium
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William
Robertson Smith, 1854, FP
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Robertson Smith war ein frühreifes Kind und von
äusserst zarter Gesundheit. Die Eltern mussten oft um sein Leben
fürchten und behielten ihn daher häufig nachts in ihrem
Schlafraum, um ihn überwachen zu können. |
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Wie auch Robertson Smith zeichnete sich sein ein Jahr
jüngerer Bruder George durch eine hohe Intelligenz und früh
erwachenden Wissensdurst aus. Beide Brüder wie auch die ältere
und gleichermassen begabte Schwester Mary Jane, hatten das
Glück, dass ihre Eltern nicht nur begeisterte sondern auch sehr
fähige Lehrer waren. Wissbegierde und Diskussionsfreude trafen
also auf willige Gegenparts. So wurden nicht nur theologische
Fragen und Bibelwissen sondern auch viele Themen mit grossem
Eifer erörtert, die zu dieser Zeit die Welt bewegten,
einschliesslich naturwissenschaftlicher oder philosophischer
Fragen. Selbst Darwins Theorien über den Ursprung der Arten
waren kein Tabu. Da die Kinder wie auch der Vater
ausserordentlich sprachbegabt waren, übten sie sich schon früh
in den alten Sprachen; und so konnten sich die Söhne bereits im
Alter von 13 bzw. 15 Jahren für die Aufnahmeprüfungen der
Aberdeener Universität und entsprechende Beihilfen bewerben.
Beide gewannen die höchstdotierten Stipendien, und so zogen sie
1861 zur Aufnahme des Studiums zusammen mit den beiden ältesten
Schwestern Mary Jane und Isabella nach Aberdeen. Die Mädchen
sollten in der Stadt die Schule besuchen und den Haushalt
führen. |
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George
Michie Smith, FP |

Mary
Jane Smith, FP
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King’s
College Aberdeen, 1850s, JFW
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Isabella Giles Smith, FP |

Aufbruch nach Aberdeen, 1861, FP |
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Die folgenden Jahre am Aberdeener King’s College
brachten eine Reihe von Erfolgen und Auszeichnungen. Die beiden
Jungen wurden nur von einer immer wiederkehrenden
Lungenkrankheit in ihrem Lerneifer gebremst, der damals in
Europa grassierenden Tuberkulose. Robertson Smith wurden die
Prüfungen 1865 entgegen der Prüfungsordnung am Krankenbett
abgenommen. Da er aber fraglos der beste Student seines
Jahrgangs war – als dieser hatte er die Town Council medal
erhalten – wurde das Examen anerkannt. Er hatte alle
Auszeichnungen erhalten, die Stadt und die Universität zu
vergeben hatten, und er hätte an jeder britischen Universität
studieren können.
George erkrankte 1864 so schwer, dass an einen Transport
nach Hause nicht gedacht werden konnte. Seine Schwester Mary
Jane pflegte ihn gesund, infizierte sich dabei aber selbst und
starb kurz darauf. George konnte 1865 sein Studium fortsetzen,
bestand 1866 alle Examen mit höchsten Auszeichnungen, jedoch
erlag er drei Wochen später der besiegt geglaubten Krankheit.
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Im Herbst 1866 schrieb sich der neunzehnjährige
Robertson Smith am Edinburgher Free Church College ein. Trotz
seiner beachtlichen naturwissenschaftlichen Begabung war er fest
entschlossen, der Free Church als Pfarrer zu dienen. Dennoch
belegte er neben seinen theologischen Studien auch Physik an der
Edinburgh Universität und wurde dort Assistent von Professor
Peter Guthrie Tait, zu dessen Studenten beispielsweise auch
Robert Louis Stevenson zählte. Letzterer zeichnete sich
allerdings durch keinen grossen Hang zu den Naturwissenschaften
aus. Während der nächsten vier Jahre begann Robertson Smith,
wissenschaftliche Aufsätze zu theologischen aber auch zu
naturwissenschaftlichen Themen zu veröffentlichen.
Bemerkenswert ist nebenbei, dass Robertson Smith auch Ladies
Classes unterrichtete. Die weiblichen Studenten durften
damals zwar bereits Vorlesungen besuchen und Prüfungen ablegen,
jedoch noch nicht graduieren. In einer Beurteilung stellte
Robertson Smith bezüglich der weiblichen Studenten fest, dass
die besten unter ihnen durchaus den besten männlichen Studenten
vergleichbare Leistungen erbrachten, jedoch zögerten auf ihrem
Standpunkt zu beharren, auch wenn sie ein Gegenargument als nonsense
erkannten. |

Free
Church College Edinburgh, Playfairs Plan, NCE |
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Es ist in diesem Zusammenhang auch bezeichnend, dass
Robertson Smith dafür sorgte, dass alle seine Schwestern eine
sorgfältige Erziehung über den für sie etwas beschränkteren
häuslichen Unterricht hinaus erhielten. Seine Schwestern Ellen
(Nellie) und Alice verbrachten während seines Studiums längere
Zeit mit ihm und besuchten währenddessen Schulen und
Privatunterricht in Edinburgh. Nellie verbrachte auf Robertson
Smiths Initiative hin mehr als ein Jahr in Göttingen, um
Unterricht in Sprachen, Zeichnen und Musik zu erhalten. Alice und
die jüngere Schwester Lucy durften auf Fürsprache des älteren
Bruders ebenfalls einige Monate in Deutschland verbringen.
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Ellen Deans
Smith, FP |
Alice Smith
ca. 1865, FP |

Lucy
Smith 1877, FP
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Ein Jahr älter als Robertson Smith war sein Mitstudent
John Sutherland Black (1846-1923), selbst Sohn eines Free Church
Pfarrers und ebenfalls Student der Theologie, der sein bester,
vertrautester und lebenslanger Freund werden sollte. Die beiden
Männer verband eine fast innige Beziehung, und J. S. Black sollte
einmal zusammen mit George Chrystal des Freundes Biograph werden.
Doch es wären noch viele andere zu nennen, denen Robertson Smith
lebenslang in Freundschaft verbunden war. Thomas M. Lindsay,
später Professor für Kirchengeschichte in Glasgow, war wie auch
Archibald McDonald einer von ihnen, den Robertson Smith schon seit
Aberdeener Studententagen kannte.
Im Sommer 1867 unternahm Robertson Smith seine erste Reise
nach Deutschland. Er traf in Bonn Carl Schaarschmidt, Professor
für Philosophie, dessen Gast er während seines Aufenthaltes war.
In Bonn hörte er Adolf Kamphausen (Alttestamentler),
Schaarschmidt (Philosophie) und andere. Die historische
Bibelkritik, die damals an deutschen Universitäten bereits fast
unumstritten Gegenstand von Forschung und Lehre war, beeinflusste
Robertson Smiths Denken von da an entscheidend.
Auf dieser und folgenden Deutschlandreisen
knüpfte er eine Vielzahl von Kontakten die er lebenslänglich
pflegte, und gewann viele Freunde. Der Mathematiker Felix Klein
war einer von ihnen. Die deutsche Sprache zu erlernen fiel
Robertson Smith leicht und die deutsche Lebensart muss ihm
vorwiegend zugesagt haben.
Sein Vater, William Pirie Smith, schloss sich ihm
auf dieser ersten Reise für einige Wochen an. Beide verweilten
einige Tage in Bonn bei den Schaarschmidts, fuhren den Rhein
hinauf, besuchten Heidelberg und genossen die vielen neuen und
alten Bekanntschaften. Für den alten Herrn muss dies eine ganz
ausserordentliche Erfahrung gewesen sein. Eine weitere Reise nach
Deutschland unternahm Robertson Smith im Jahr 1869 zusammen mit
seinem Freund J. S. Black. Sie studierten in Göttingen, hörten
u. a. Albrecht Ritschl (Theologie) und Hermann Lotze
(Philosophie), die beide grossen Einfluss auf das Denken der
jungen Studenten gewinnen sollten. Nebenbei genossen sie auch das
Studentenleben in Deutschland weidlich. Der junge Julius
Wellhausen, später ein bedeutender Orientalist, kritischer
Bibelforscher und Exeget, wurde während dieser Zeit ein enger
Freund.
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