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Biographie
i Elternhaus
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Kindheit,
erster Unterricht und Studium
iii Professur
in Aberdeen und die Encyclopaedia Britannica
iv Anklage
wegen Ketzerei
v Edinburgh und Cambridge
vi Die
letzten Jahre
vii William
Robertson Smith: ein Nachwort
viii Literatur
und Abkürzungen
Hinweise
und Kontakt
Links
Gästebuch

© Astrid Hess &
Andreas Hess 2006
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Edinburgh und Cambridge
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Angeworben von Baynes als Mitherausgeber der Encyclopaedia
Britannica (der sogenannten wissenschaftlichen Edition)
verliess Robertson Smith Aberdeen und liess sich im Sommer 1881
mit seinen jüngsten Bruder Herbert in Edinburgh nieder. Die
Aufgabe war wie für ihn geschaffen und sehr zufriedenstellend,
doch weitere Anforderungen sollten im Laufe der nächsten Jahre
noch auf ihn zukommen.
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Herbert
Smith, 1880s, FP |

Karikatur, B&C
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Robertson Smiths Aufenthalt in Schottland sollte nicht mehr
von langer Dauer sein. Als 1882 Professor Palmer, Dozent für
Arabisch an der Universität Cambridge, in Palästina ermordet
wurde, drängte ihn William Wright, Professor für Arabisch in
Cambridge, und damals schon ein enger Vertrauter, sich für die
Professur zu bewerben. Eine ähnliche Kampagne wie bereits 1869/70
hatte erneut Erfolg, so dass man Robertson Smith ab 1883 in
Cambridge sah. Er bezog Räume im Trinity College und ab 1885 war
er schliesslich Mitglied des Lehrkörpers des Christ’s College.
Die Redaktionstätigkeit für die EB9, die eine
immense Korrespondenz mit sich brachte, setzte er von Cambridge
aus fort. Wissenschaftler der ganzen Welt wurden um Beiträge
gebeten und Robertson Smith selbst schrieb unzählige Artikel,
sowohl unter seinem Namen als auch unsigniert. Er konnte mit Fug
und Recht behaupten, als einziger die ganze EB9 gelesen
zu haben. Nach Baynes Tod 1887 wurde Robertson Smith, unterstützt
von seinem Freund J. S. Black, alleinverantwortlicher Herausgeber.
1888 war der letzte der 25 Bände vollendet, und aus diesem Anlass
wurde ein grosses Bankett im Christ’s College veranstaltet. |
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Robertson Smiths Hauptinteresse galt von nun an fast
ausschliesslich der vergleichenden Religionswissenschaft. Daraus
ergab sich auch sein Interesse für Anthropologie, Ethnologie,
Soziologie und Psychologie. Seine Veröffentlichungen und seine
ausgedehnte Korrespondenz mit Bibelforschern, Arabisten und
Orientalisten geben ausführlich Zeugnis davon. Wegweisend waren
seine Forschungen über Ritus und Mythus, Totemismus und
Tabuismus, Opferung und die damit verbundene Auferstehung: das
heisst mit der gesamten Entwicklung vom primitiven Animismus bis
zur „aufgeklärten“ Religion des 19. Jahrhunderts. Er sah die
Funktion der Religion als einen Weg, die Bindung innerhalb einer
Gruppe zu stärken und ein störungsfreies Zusammenleben zu
ermöglichen. So wurden nach seiner Auffassung bestehende Rituale
zwingend durch die spätere Schaffung erklärender Mythen,
während Opfer und Opfermahlzeiten den Bund zwischen den Menschen
untereinander und ihrem Gott bestärkten. |
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1885 erschien nach einer Vorlesungsreihe Kinship and
Marriage in Early Arabia, (zweite Auflage 1903, letzte Auflage
1990), die sich mit den patriarchalischen Stammesverhältnissen
der arabischen Welt vor Mohammed befasste. Robertson Smiths enge
Freundschaft mit William Wright und James George Frazer war
einträglich für alle Beteiligten. Wright, der Orientalist, der
die Dialekte der arabischen Sprache wie kein anderer Brite
beherrschte, und der von Robertson Smith ermutigte Frazer, der
Mythen und Aufzeichnungen religiöser Bräuche der ganzen Welt
sammelte, um zu dem Schluss zu gelangen, dass alle Religionen
ähnliche Entwicklungsstufen durchliefen, ähnliche Bräuche
pflegten, und dabei alle mit ähnlichen mythologischen
Begründungen. |
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Nach
dem Tod von Henry Bradshaw im Jahre 1886 übernahm Robertson Smith
als dessen Nachfolger die Leitung der Universitätsbibliothek von
Cambridge. Dies stellte eine Aufgabe dar, die neben seinen
Vorlesungen und seiner Tätigkeit als Herausgeber der EB9
sehr viel Kraft kosten sollte. Der plötzliche Tod seines
Vorgängers machte es nicht einfacher. Robertson Smith stellte
sich wie immer der Herausforderung. Seine Arbeit als Bibliothekar
sollte sehr produktiv sein und entsprach ganz seinen Neigungen. |

William
Robertson Smith, ca. 1885, FP |
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Der April 1887 brachte Robertson Smith eine Einladung der
Burnett-Stiftung, eine Reihe öffentlicher Vorlesungen über semitische
Religionen in Aberdeen zu halten. Die erste der drei Serien
wurde zu einem sehr grossen Erfolg, und 1889 unter dem Titel The
Religion of the Semites, First Series: The Fundamental
Institutions (mehrere Auflagen bis in die heutige Zeit, 1899
ins Deutsche übersetzt) veröffentlicht. Dies sollte eines der
Klassiker über vergleichende Religionswissenschaft, Ethnologie
und Anthropologie werden. Viele spätere Wissenschaftler wurden
durch Robertson Smiths Studien angeregt und verfolgten sie weiter,
darunter Sigmund Freud und Emile Durkheim.
Robertson Smith hielt wie geplant auch die zweite und
dritte Serie der Vorlesungen, jedoch verhinderte seine
nachlassende Gesundheit deren Drucklegung. Basierend auf seinen
Aufzeichnungen wurde 1995 von John Day ein kleiner Band
herausgegeben: Lectures on the Religion of the Semites, Second
and Third Series, ed. John
Day, (Oxford University Press). |
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William
Robertson Smith' Arbeitszimmer in Cambridge, ca. 1889, FP
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Im
Sommer 1888 unternahm Robertson Smith mit Freunden eine
ausgedehnte Reise durch Frankreich, Spanien und Italien, die er im
höchsten Masse genoss. Vor allem interessierte er sich für die
hinterlassenen Zeugnisse der maurischen Kultur in Südspanien. Im
Winter hielt er wie vorgesehen, die erste Serie der Burnett
Lectures. Im folgenden Frühjahr sah man ihn wieder in
Nordafrika – dessen ursprüngliche arabische Kultur grossen
Eindruck auf den Reisenden machte – und im Nahen Osten. Kurz
nach Robertson Smiths Rückkehr nach Cambridge starb sein Freund
und Mentor William Wright, und er wurde im Sommer 1889 als dessen
Nachfolger für den Sir
Thomas Adams Chair of Arabic berufen. |
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